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Vereinschronik

Am 28. Mai 1893 fand die erste ordentliche Generalversammlung des TV Grünenthal statt, in der Karl Peter zum 1. Vorsitzenden und Turnwart gewählt wurde. Als Übunkstätte diente der Saal Cordt, der etwa die Größe eines Wohnzimmer hatte. Für das Geräteturnen stand ein Schuppen des Vereinswirtes zur Verfügung. Zu diesem Zeitpunkt hatte der Verein 30 Turner. Noch im Dezember 1893 mussten mit Conrad Dunkel und Otto Schürmann ein neuer 1. Vorsitzender und ein neuer Turnwart gewählt werden, da der bisherige Amtsinhaber aus nicht bekannten Gründen zurückgetreten war. In den folgenden Jahren stieg die Zahl der Mitglieder immer weiter an, so dass bis zum Jahre 1899 die Zahl der Mitglieder auf 110 gestiegen war. Sportliche Erfolge aus den Anfangsjahren sind in den Protokollbüchern nicht verzeichnet, allerdings spricht die rege Teilnahme an Turntagen und Turnfesten für die Konkurrenzfähigkeit. Neben den sportlichen Aktivitäten entwickelte sich im Laufe der Jahre ein festes Veranstaltungsprogramm, das, bis auf wenige Ausnahmen, immer wieder durchgeführt wurde. 1895 erhielt der TVG eine zweite Abteilung, den Musikkorps, der zu diversen Veranstaltungen spielte.

Nachdem der Saal Cordt zu klein geworden war, und der damalige Vereinswirt Th. Cordt nicht zu einer angemessenen Vergrößerung des Saales zu bewegen war, suchte man ein neues Vereinslokal, was mit der Gaststätte Schürmann gefunden werden konnte. Aber auch sportlich konnte sich der TVG weiterentwickeln, so dass man am 4. und 5. Juli 1908 zum zweiten Mal nach 1900 das Bezirksfest austrug. Der gesellige Bereich wurde immer noch von vielen Veranstaltungen bestimmt, an denen auch Frauen teilnahmen, die keine Mitglieder im TVG sein durften. Im März 1912 beschloss die Generalversammlung eine Wanderabteilung einzurichten. Im Mai desselben Jahres wird ein Spielplatz mit einer Größe von 2100 m² zu einer Jahresmiete von 50 Mark angemietet. 1913 trat der TVG dem Lenne-Volme-Turngau bei und beabsichtigte im Sommer des gleichen Jahres eine Faustballmannschaft auf Gauebene zu stellen. Von dem auf der weltpolitischen Bühne befürchteten Unheil merkte man indes nichts bei den Planungen des Verein. Allerdings waren schon bald die ersten Gefallenen zu beklagen.

Im Kriegsjahr 1915 verlor der Verein seinen 1. Vorsitzenden Emil Stahlschmidt, das Amt blieb bis zum Kriegsende unbesetzt. Trotz des Krieges wurde versucht den Turnbetrieb in reduzierter Form aufrechtzuerhalten. In den letzten beiden Kriegsjahren gingen die Aktivitäten allerdings stark zurück. 1919 wurde dann ein regelrechter Neuanfang gemacht, um den Turnbetrieb wieder aufzunehmen. Die Frauen konnten sich langsam aus ihrer passiven Rolle lösen und nahmen 1920 am Winterfest teil. In den folgenden Jahren wurde diese Abteilung eine feste Institution im TVG. 1919 wurde unter der Leitung von Emil Schmalenbach eine Gesangsabteilung gegründet, um nicht aktiven Mitglieder eine Rolle im Verein zu geben. Dies war allerdings nicht von langer Dauer. Die sich verschlechternde wirtschaftliche Situation machte auch vor dem TVG nicht halt. Während man im November 1920 einen Jahresbeitrag von 5 Mark entrichten musste, so stieg der Beitrag zwischenzeitlich auf 800 Mark für ein halbes Jahr. Nach diesen Katastrophenjahren, die den TVG zu einem wirtschaftlichem Neuanfang zwangen, wurden die Aktivitäten wieder mehr auf den sportlichen Bereich geführt. Die Beteiligungen an dem Turnfesten in näherer Umgebung waren schon zur Tradition geworden und es konnten immer wieder sportliche Erfolge verbucht werden. Allerdings begann mit der Weltwirtschaftskrise wieder ein kritischer Abschnitt im Verein. In Zeiten der Not zeigte sich der Verein auch als Solidargemeinschaft, besonders betroffenen Mitgliedern wurde in dieser Zeit der Beitrag erlassen und es gab die ein oder andere finanzielle Unterstützung.

Große Veränderungen brachte das Jahr 1933 mit sich. Die Politik schlug sich auch auf den Verein aus, so änderten sich Ausdrucksweise und Tonlage merklich. Im Mai 1933 wurde alle Vereine und Organisationen dem NS-Staat gleichgeschaltet und unterlagen fortan der Kontrolle des Staates. Mit dieser Regelung wurden die Rechte der Mitglieder stark eingeschränkt, es gab fortan nur noch die Position des Vereinsführers, der die restlichen Vorstandsmitglieder ernannte. Im Juli 1936 wurde die Hitlerjugend in den Verein integriert. Auch der sportliche Bereich blieb von der Politik nicht unberührt. 1933 beabsichtigte der Vereinswirt den Saal aus wirtschaftlichen Gründen an den Freiwilligen Arbeitsdienst zu vermieten, was sich aber nicht realisieren ließ. Die sportlichen Erfolge und die Leistungsfähigkeit waren hingegen ungebrochen. 1940 wurde dem Verein allerdings die Möglichkeit entzogen weiter zu trainieren, da der Saal mit französischen Kriegsgefangenen belegt wurde. Das Kriegsjahr 1943 war gleichzeitig das 50jährige Jubiläum des Vereins. Über die nächsten beiden Jahre ist nichts in den Protokollbüchern verzeichnet, allerdings wurden nach der Machtübernahme der Alliierten alle Vereine verboten. 1945 erhielt der TVG eine Genehmigung zur Aufnahme des Turnbetriebs. Die Mitgliederzahl stieg wieder kontinuierlich an und 1950 zählte der Verein 150 Mitglieder. Allerdings erhielt die Aufbauarbeit nach der Währungsreform wieder einen Dämpfer, da alle Ersparnisse verloren gegangen waren. Unter dem damaligen Schriftführer Günther Pieper wurde die schriftliche Niederlegung der sportlichen und kulturellen Aktivitäten eingeführt, eine überaus reichhaltige Ergänzung zu den Protokollen der Versammlungen. In späteren Jahren wurde diese Arbeit unter dem Geschäftsführer Helmut Bölling perfektioniert. Der sportliche Aufschwung gelang schneller, als in der Nachkriegszeit zu erwarten war. So wurde im Jahre 1946 die Damenabteilung wieder neu gegründet und die Erfolge dieser Gruppe ab 1947 waren unübersehbar. Im Mai 1947 richtete der TV Grünenthal die Mannschaftswettkämpfe für den 3. Unterkreis aus, eine organisatorische als auch eine sportliche Herausforderung, denn der TVG stellte 5 Mannschaften. 1948 trat der Turnverein Grünenthal dem neugegründeten Lenne-Volme-Turngau bei. In diesen Jahren zeigte Leistungskurve des Vereins steil nach oben, was sich in den Teilnehmerzahlen und den guten Platzierungen ausdrückt. Nach 1950 hatte der Verein allerdings einen personellen Einbruch in der Männerriege zu beklagen, die Teilnehmerzahlen schrumpften rapide und auch die Trainingsmoral ließ nach. Im Jugendbereich konnte dagegen eine Verdreifachung der Teilnehmer verbucht werden. Der gesellige Teil des Vereinslebens wurde auch wiederentdeckt. So wurden Wandertage, Weihnachtsfeiern und Winterfeste organisiert.

Mit Zuversicht, Engagement und Einsatzbereitschaft gingen die Mitglieder des TV Grünenthal in die fünfziger Jahre. Zum 60. Stiftungsfest 1953 wurde auf Turnsaal eine neue Bühne installiert, ein neuer Barren angeschafft und eine neue Vereinsfahne eingeweiht. 1957 wurde auf dem Saal eine Sprunggrube eingerichtet, um den Trainingsbetrieb auch in den Wintermonaten aufrecht erhalten zu können. Damit der Saal auch weiterhin als Übungsstätte genutzt werden konnte, mussten die Mitglieder des TVG 1959 selbst Hand anlegen und neue Bleche auf das Dach schlagen. Im gleichen Jahr wurde damit begonnen, auf dem ehemaligen Barackengelände eine provisorische Übungsstätte zu errichten (heute Firma Alberts). Mitglieder, die sich intensiv für die Belange des Vereins eingesetzt hatten, wurden für ihre Tätigkeit vom Verein geehrt. Die sportliche Entwicklung war in dieser Zeit herrvoragend. Trotz anfänglicher Widerstände gelang es die Leichtathletik neben dem Turnen zu etablieren. Bis zum Jahre 1962 hatte sich diese Abteilung eine führende Stellung im Kreis erarbeitet. Um auch an Wettkämpfen auf höherer Ebene teilnehmen zu können, trat der TV Grünenthal 1962 dem Fußball- und Leichtathletikverband Westfalen bei. Aber auch die Jugendarbeit kam in dieser Zeit nicht zu kurz. So wurde 1955 eine Kinderturngruppe gegründet, die sich schon nach kurzer Zeit größter Beliebtheit erfreute. Neben den sportlichen Aktivitäten bot der Verein seinen Mitglieder auch immer wieder gesellschaftliche Veranstaltungen an, Theaterfahrten gehörten ebenso dazu wie Winter- oder Frühlingsfeste. Im Jahre 1963 feierte der Verein sein 70. Stiftungsfest.

Die folgenden Jahre waren geprägt von einem baulichen und sportlichen Umbruch. Der Übungsbetrieb auf dem Saal kam wegen der Umbauarbeiten an der Sprunggrube fast vollständig zum erliegen. Die Arbeiten am Sportplatz Grünenthal verzögerten sich bis ins Jahr 1969. 1966 übergab Alfred Vöpel das Amt nach 18-jähriger Arbeit an Wolfgang Knorn ab. Die Beeinträchtigungen im Trainingsbetrieb hinterließen ihre Spuren. So wurde magelnde Teilnehmerzahlen in den Übungsstunden beklagt. Trotz dieser Entwicklung waren die Leistungen einiger Sportler noch Jahre auf hohem Niveau. Die Bemühungen, die sportliche Talfahrt aufzuhalten, zeigten anfangs wenig Wirkung, durch gute Nachwuchsarbeit konnte die Talfahrt aber gestoppt werden. So stieg mit der mehr werdenden Teilnehmerzahl auch wieder das Niveau. Ende 1968 wurde die Gesundheitsriege für Hausfrauen eingeführt, die sich schnell großer Beliebtheit erfreute. 1983 wurde das 80. Stiftungsfest gefeiert.

Mit der Einweihung der Rahlenbergturnhalle, vollzog sich eine gravierende Veränderung im Verein, die passiven und aktiven Mitglieder wurden räumlich getrennt. Sportler und Übungsleiter nahmen die Halle jedoch begeistert in Anspruch. Im März 1978 richtete der Turnverein den Gauturntag aus mit 220 Delegierten aus 54 Vereinen. Im Jahresbericht 1974 wurden sehr düstere Bilder über den Sportbereich gemalt, die Turnriege der Männer war endgültig aufgelöst worden, die Leichtathleten waren "müde" und die Hausfrauen erschienen nicht mehr zu den Gymnastikstunden. Einziger Lichtblick war die Jugendabteilung. Hier wurde auf das Prinzip "mit Masse zum Erfolg" gesetzt, mit Erfolg, wie sich später herausstellte. Nach vielen Erfolgen der Jugend war auch in den anderen Abteilungen wieder frischer Wind zu spüren. 1977 wurde auf Wunsch der Mitglieder die Volleyballabteilung gegründet, die sich trotz Schwierigkeiten bei der Hallenbelegung durchgesetzt hat. Auch der gemeinschaftliche Teil entwickelte sich weiter, so kamen zu den bestehenden Veranstaltungen auch Ferienangebote für Jugendliche hinzu. Trotz überaus positiver Ergebnisse, die 1983 von den Leichtathleten des Vereins erzielt wurden, waren die Lücken im Nachwuchsbereich nicht zu übersehen. Um einer drohenden Talfahrt entgegenzutreten gründete der Verein zusammen mit dem TV Hüinghausen, dem TuS Elsetal, dem TV Jahn Ohle und dem TSV Oestertal die Leichtathletik - Gemeinschaft(LG) Plettenberg - Herscheid, eine recht erfolgreiche Maßnahme.

1987 begann der Vorstand des Vereins mit einer systematischen Wachablösung. Mit Karlfried Schöttler und Helmut Bölling schieden dabei zwei Vorstandsmitglieder aus, die über drei bzw. vier Jahrzehnte die Geschicke des Vereins mitbestimmt hatten. 1991 wurde Karola Feldmann als erste Frau in den Vorstand gewählt. Als eine Säule der LG Plettenberg - Herscheid konnten die Leichtathleten des TVG dazu beitragen, dass der Kreispokal sechsmal hintereinander gewonnen werden konnte. 1987 wurde der Sportplatz Müggenbruch in Herscheid eingeweiht. Die guten Trainingsanlagen veranlassten Hans Röcken dazu, eine Werfergruppe aufzubauen. Zudem errang Hans Röcken mit der Vizeweltmeisterschaft im Hammerwerfen der Senioren 1991 in Turku (Finnland) den größten Erfolg der Vereinsgeschichte. Die Turner erlebten ab 1983 ein Wechselbad der Gefühle. Die Turnriege der Schüler, lange ein Aushängeschild des Vereins, musste 1987 mangels Fachkraft geschlossen werden. Im Gegensatz dazu konnte die Gruppe der Schülerinnen ihr Leistungsvermögen stabilisieren und ausbauen. Die Volleyballgruppe musste in diesen Jahren Höhen und Tiefen durchstehen, immer wenn ein geeigneter Übungsleiter zur Verfügung stand, waren das Leistungsvermögen hoch. 1990 schloss der Verein mit der Gründung einer Mutter und Kind - Gruppe eine echte Lücke im Verein. Im gleichen Jahr wurde auch eine Jazz - Tanz - Gruppe eingerichtet, die sich sehr schnell größter Beliebtheit erfreute.

Im Jubiläumsjahr standen fast alle Aktivititäten im Zeichen der Feier zum 100- jährigen Bestehen. In allen Gruppen wurde geübt und geprobt, um zum Gelingen der Veranstaltung beizutragen.

Im Jahr 2000 konnte dann die Sporthalle Grünenthal eröffnet werden. Vorrausgegangen waren langwierige Planungen, die leider auch von einem Todesfall überschattet wurden. Nachdem man für die angestrebte Hallengröße von 12m x 24 m keine Fördergelder erhalten hätte, entschloss man sich eine Halle von der Größe 15m x 27m zu planen. 1999 kam der Bescheid aus Arnsberg, dass die Fördergelder bewilligt worden waren. Ein Riesenerfolg für unseren Verein. Kurze Zeit später wurde dann auch mit dem Abriss des alten Saales mit einer Übung des THW begonnen.

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